etzt, da endlich wieder Luft in meine Lungen strömte, sah ich Andrea Luca in der Tür zur Terrasse stehen. Er lehnte lässig im Türrahmen, das Rapier wie einen Spazierstock in der rechten Hand, aber sein Gesicht war ungewöhnlich blass und ausdruckslos. Nur in seinen Augen flackerte ein wütendes Feuer, an dem man seine Gefühle erkennen konnte.
"Ich würde die Finger von der Signorina nehmen, wenn ich an Eurer Stelle wäre, Signore."
Andrea Lucas Tonfall war gefährlich leise, als er langsam nach vorne trat. Gesparis Hand fuhr ebenfalls zu seinem Rapier, während er sich zu dem anderen Mann umwandte, der diese deutliche Drohung ausgesprochen hatte.
"Signore Santorini, nehme ich an? Ihr werdet Euch gedulden müssen, bis ich fertig bin. Ich bin beschäftigt, wie ihr seht."
Andrea Luca wirkte wie ein Panther, der gleich zum Sprung ansetzen würde, als ein grausam wirkendes Grinsen den Weg auf sein Gesicht fand und die anderen Gefühle überdeckte. Sein ganzer Körper war angespannt, als ob er bereit sei, sofort sein Rapier in Gesparis Körper zu treiben.
"Ich bin untröstlich, Signore, aber ich befürchte, dass ich Euch nicht gewähren lassen kann. Eure schmutzigen Finger würden die makellose Haut von Signorina Lukrezia beflecken und das würde ich nur ungern mit ansehen."
Andrea Lucas Worte weckten die Wut in Gespari. Sein Gesicht rötete sich und kleine Adern pochten heftig an seinen Schläfen. Seine Stimme klang gepresst, als er eine Antwort zwischen den zusammengebissenen Zähnen hervorbrachte.
"Dieses Weib wurde schon oft genug befleckt, will mir scheinen. Einmal mehr macht keinen Unterschied."
Das Grinsen verschwand aus Andrea Lucas Gesicht und er trat drohend ein Stück näher.
"Ich glaube nicht, dass Signorina Lukrezia sich von einem solch schmutzigen Straßenköter wie Euch beleidigen lassen muss. Aus welcher Gosse hat man Euch geholt? Den Abwasserkanälen von Porto di Fortuna?"
Gespari platzte der Kragen. Mit einem hasserfüllten Laut sprang er auf Andrea Luca zu, der ihm gewandt auswich und den Hieb gekonnt mit seiner eigenen Klinge parierte.
Gebannt und ängstlich an die Wand gepresst, sah ich dem nun folgenden Schlagabtausch zu. Andrea Luca erinnerte mich an eine große, wütende Raubkatze. Er sprang über die Möbel meines Salons, als seien diese Hindernisse nicht vorhanden und trieb Gespari, der ihm zunächst nur wenig entgegenzusetzen hatte, schnell und erbarmungslos auf meine Terrasse zu.
Schritt für Schritt musste der fremde Mann zurückweichen, während die Klingen mit einem schrillen Geräusch glockenhell aufeinanderprallten, dann waren sie im Freien angelangt und ich blieb alleine in meinem Salon zurück, beobachtete sie durch das Fenster, das nach draußen führte.
Gespari war erstaunlich gut, nachdem er endlich sein Gleichgewicht gefunden hatte und damit begann, Andrea Lucas Schläge mit eigenen Angriffen zu kontern.
Die Männer kämpften verbissen, ohne Finessen und große Worte, als Gespari über eine der marmornen Bänke auf meiner Terrasse stolperte, die in seinen Weg geraten war.
Schnell sprang Andrea Luca hinterher und setzte ihm das Rapier an die Kehle. Beide Männer atmeten bereits schwer und erste Schweißtropfen hatten sich auf ihren Gesichtern gebildet, als er atemlos einige Worte hervorbrachte. Ich trat näher an die Tür heran, um besser verstehen zu können, was sie redeten, wagte mich jedoch noch nicht heraus, aus Angst, Andrea Luca abzulenken.
"Das war es für Euch, Signore. Ich werde Euch lehren, dass man niemals eine Frau gegen ihren Willen berühren darf."
Gespari starrte hasserfüllt auf seinen Gegner, doch anstatt einer Antwort, folgte nur eine blitzartige Bewegung, die mich warnend aufschreien ließ, als ich erkannte, was er im Sinn hatte.
Doch es war bereits zu spät. Er griff nach der Erde eines umgestürzten Blumentopfes und schleuderte sie in Andrea Lucas Augen. Geblendet taumelte dieser zurück und riss den Kopf zur Seite, um dem Schlimmsten auszuweichen, aber der kurze Moment reichte Gespari, um auf die Füße zu kommen.
Mit einem schrecklichen Grinsen schnellte er auf Andrea Luca zu und sein Rapier schnitt bedrohlich durch die Luft, um seinem Leben ein Ende zu bereiten, als Andrea Lucas rechte Hand in sein ledernes Wams griff und er die Klinge klirrend zu Boden fallen ließ.
Wie in einem Alptraum nahm ich wahr, dass sich ein Schuss aus der Pistole löste, die er plötzlich in der Hand hielt, und ich starrte voller Entsetzen auf die Geschehnisse, die sich dort vor meinen Augen abspielten und die ich noch nicht ganz zu erfassen vermochte.
Gespari stürzte schwer und mit einem lauten Aufprall zu Boden, als die Kugel in sein Fleisch eindrang und ihn zum Fall brachte. Mir wurde schwarz vor Augen, als das Entsetzen von mir Besitz ergriff und meine Sinne schwinden ließ. Dann gab es nur noch tröstliche Stille, als ich ihm zu Boden folgte.
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