s ist ein seltsames Gefühl, das man nur schwer in Worte fassen kann.
Es ist nun 6 Jahre her, dass ich Lukrezia geschrieben habe, sogar noch länger, wenn man die Geschichte bis ins Jahr 2002 zu ihren Ursprüngen verfolgt. Damals, im Zug, von der Uni nach Hause in einen karierten Schreibblock gekritzelt, der immer noch auf meinem Schreibtisch liegt.
Lukrezia war damals nicht als Roman gedacht, es war eine Kurzgeschichte, nicht mehr und nicht weniger. Eine Kurzgeschichte, die allerdings meiner Mutter in die Hände fiel, die davon überzeugt war, dass diese Geschichte eine Existenz als Roman verdient hat.
Also habe ich ihren Rat befolgt und aus der kurzen Geschichte einer Kurtisane entstand über einen Zeitraum von drei oder vier Monaten ein ganzer Roman über die Erlebnisse einer Frau, deren ganzes Leben auf den Kopf gestellt und verändert wird.
Ich habe jeden Tag geschrieben. Als nicht eben von Fleiß beseelte Studentin, die kaum mehr als das Schreiben im Kopf hatte, hatte ich genügend Zeit, beinahe an jedem Tag ein Kapitel dieser Geschichte zu verfassen und so schritt sie natürlich schnell voran und zog ab dem Jahre 2004 das Wachstum einer ganzen Welt nach sich.
Trotzdem bedeutet das Schreiben eines Romans noch lange nicht, dass er veröffentlicht wird. Jeder Autor wird dieses leidige Thema zur Genüge kennen. Den Moment, wenn man es tatsächlich wagt, die eigenen Ergüsse an Verlage zu schicken. Und die Enttäuschung, wenn diese, meist auch noch unangetastet und ohne einen kleinen Knick in den Seiten, der darauf hinweist, dass das Exposé tatsächlich gelesen worden ist, wieder im eigenen Briefkasten stecken. Mit einer Absage, versteht sich.
Ich bin diesen Weg nicht allzu oft gegangen. Vielleicht fünf oder sechs Mal ist Lukrezia an einen Verlag gegangen und hat dieses nichtssagende Schreiben nach sich gezogen. Ich hatte nicht das Durchhaltevermögen, die Sache bis zum Ende durchzustehen und es immer und immer weiter zu versuchen und immer wieder auf die Nase zu fallen. Vielleicht habe ich auch einfach keinen Sinn darin gesehen. Und vor allem bin ich stur.
Der Gedanke, dass an meinem Text herum geändert wird, weil irgendjemandem das Ende nicht gefällt, dass ein seltsames, unpassendes Cover und ein unpassender Titel dazu kommen, hat mir noch nie so recht gefallen. Schließlich habe ich nicht Jahre damit verbracht, eine Vorstellung von Terra Edea zu erschaffen, damit dann jemand daherkommt und alles über den Haufen schmeißt.
So manchem mag das als geringer Preis für die Veröffentlichung bei einem renommierten Verlag erscheinen, aber für mich sieht die Sache einfach anders aus.
Heute ist der 5. März 2009. Der Roman hat lange auf meiner Festplatte gelegen, sein halb geschriebener Nachfolger, den ich 2004 begonnen habe, ebenfalls. Es ist eine traurige Existenz für einen Roman, aber seit 2003 hat sich die Welt verändert.
Heute kann ich also meinen Roman selbst veröffentlichen. Book on Demand ist das Zauberwort. Kein Weg, um damit Geld zu verdienen, aber es ist mir genug, wenn das Buch am Ende gelesen wird und dem ein oder anderen vielleicht ein paar angenehme Stunden beschert.
Auch dieser Weg war lang. Ich stecke in der vierten Überarbeitung, dem vierten Korrekturlesegang, seit November 08 und mein Text ist gesetzt und beinahe fertig zur Veröffentlichung. Ich muss noch das Personenregister / Glossar tippen und anfügen, damit tatsächlich alles beisammen ist.
Das Coverbild habe ich auch endlich - ich weiß nicht mehr, wie oft ich in den vergangenen 6 Jahren Bilder von Lukrezia gemacht habe und es war niemals einfach, meiner Vorstellung von dieser Frau wirklich einen Ausdruck zu verleihen. Doch wenn ich mir das Bild heute ansehe, das schließlich auf dem Umschlag des Romans zu sehen sein soll, dann sehe ich genau die Kurtisane aus meiner Vorstellung vor mir. In einem prächtigen Gewand, mit den schwarzen Locken und den blauen Augen - sogar die Maske mit den Pfauenfedern bedeckt ihr Gesicht. Und es ist tatsächlich das Cover, das ich mir gewünscht habe, das ich mir immer vorgestellt habe, wenn ich davon geträumt habe, mein Buch eines Tages in einer Buchhandlung zu entdecken. Zwar ist es unwahrscheinlich, dass mir genau das passiert, doch es ist immerhin ein Schritt in diese Richtung.
Und das Gefühl ist sogar mehr als seltsam, jetzt kurz vor Ende dieses Weges. Es ist ein bisschen, als ob man ein Kind in die Welt hinaus entlässt. Ein wenig schutzlos und mit dem Gefühl, dass man nicht weiß, ob es da draußen akzeptiert werden wird.
Es ist gleichzeitig Melancholie und Freude, ein Abschluss des langen Weges, den mein Buch und ich zusammen gegangen sind. Von der ersten Zeile, bis zum fertigen Buchblock.
Und auch wenn ich mein Buch oft verfluche, es anzweifle, mir der Text nach dem vierten Lesen in Folge beinahe aus den Ohren quillt, weil ich seine Passagen im Schlaf rezitieren kann, so liebe ich doch jeden einzelnen Buchstaben davon.
Schließlich haben sie mich nun lange genug begleitet.
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